Willkommen bei The Silk Journal

Es gibt Objekte auf der Welt, die mehr als nur Schönheit in sich tragen. Eine Länge handgewebter Seide, fünfzig Jahre lang in einer japanischen Tansu-Truhe aufbewahrt. Ein Fukuro Obi, der die Meiji-Ära, den Krieg, die Nachkriegsräumung des alten Japans überlebt hat und hier in einem Amsterdamer Atelier ankam, immer noch seine ursprüngliche Farbe bewahrend.

Diese Objekte verlangen etwas von uns. Nicht Verehrung – das schlägt schnell in Fetischismus um. Sondern Aufmerksamkeit. Die Art von Aufmerksamkeit, die bemerkt, was tatsächlich da ist: die Qualität des Gewebes, die Spuren der Hände, die es gemacht haben, die besondere Stille, die entsteht, wenn man in der Gegenwart von etwas ist, das ohne Eile und für als wichtig erachtete Zwecke geschaffen wurde.

Das Seidenjournal existiert, um über diese Objekte und die Welt, aus der sie stammen, zu schreiben. Nicht als Katalogtext und nicht als Kulturtourismus. Als Aufzeichnung dessen, worüber wir tatsächlich nachdenken, wenn wir täglich mit japanischer Zeremonialseide arbeiten – die Geschichte, das Handwerk, die Philosophie, die praktischen Fragen, wie man ein Stück Nishijin-Obi in einem zeitgenössischen europäischen Interieur platziert, ohne es entweder in Verehrung zu ersticken oder es als bloße Dekoration zu behandeln.

Wir werden über Farbe schreiben. Über das japanische Vokabular der Farbtöne, das im westlichen Textildenken keine Entsprechung hat. Über das Koyomi – die 72 Mikrosaisons des traditionellen japanischen Kalenders – und wie sie die Textilpalette auf eine Weise bestimmten, die sich immer noch relevant anfühlt. Über die spezifischen Techniken: Tsuzure-Gobelinweberei, Kusaki-Zome-Pflanzenfärbung, die Goldfadenarbeit von Nishijin. Und über die schwierigeren Fragen: Was es bedeutet, ein Objekt dieser Art zu erwerben, welche Pflege es benötigt, was es vom Raum um sich herum verlangt.

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