Blütenwirbel
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Es gibt ein japanisches Wort für den Moment, in dem die Kirschblüten alle auf einmal fallen. Hana-fubuki. Blüten-Schneesturm. Es beschreibt die besondere Qualität der Luft, wenn sich die Blütenblätter gleichzeitig lösen – eine Schwebung von Rosa-Weiß im Licht, eine Schwebung der Zeit in den Zuschauern.
Die japanische Ästhetik des Mono no aware – das Pathos der Dinge, das bittersüße Bewusstsein der Vergänglichkeit – findet in diesem Moment ihren reinsten Ausdruck. Nicht in der Blüte auf ihrem Höhepunkt, sondern im Fallen. Die Schönheit ist nicht trotz des Endes. Das Ende ist untrennbar mit der Schönheit verbunden.
Ich denke oft im Atelier an Hana-fubuki. Die Arbeit mit Vintage-Seide bedeutet die Arbeit mit Material, das bereits viel überlebt hat – Jahrzehnte in einer Zedernholz-Truhe, das Ableben der Frauen, die es trugen, das Ende der Zeremonien, für die es gemacht wurde. Was in Amsterdam ankommt, ist bereits eine Form des Nachspiels. Eine Schönheit, die über ihren ursprünglichen Anlass hinaus Bestand hat.
Die Frühlingspalette japanischer zeremonieller Seide – das blasse Pfirsich von Usu-momoiro, das Weiß-Rosa von Sakura-iro, das tiefere Rosa von Karakurenai – war auf dieses Verständnis abgestimmt. Dies sind Farben, die in ihrer Leichtigkeit Vergänglichkeit tragen. Ein Vintage-Seidenkissen in diesen Tönen bringt etwas von dieser Qualität in einen modernen Raum: keine Nostalgie, sondern Bewusstsein.