The Chromatic Harvest – Pflanzenfärbung

Wenn ein europäisches Auge zum ersten Mal auf japanische Zeremonialseide trifft, fällt ihm zuerst die Farbe auf. Die Tiefe eines bestimmten Indigoblaus – nicht ganz Marineblau, nicht ganz Violett, von beidem etwas enthaltend, ohne sich ganz festzulegen. Die besondere Qualität eines Goldtons, der mit dem Alter seine Helligkeit verloren hat und zu etwas Reicherem und Komplexeren geworden ist. Das gedämpfte Terrakotta, das einst satter war und sich über Jahrzehnte sorgfältiger Lagerung zu einem Ton entwickelt hat, den kein zeitgenössischer Farbstoff bewusst erzeugen würde.

Diese Farben waren keine Zufälle. Sie waren das Ergebnis einer Färbetradition – kusaki-zome, wörtlich „Gras-Baum-Färben“ –, die pflanzliche, mineralische und Insektenquellen nutzte, um Farben zu erzeugen, die sich auf molekularer Ebene anders verhalten als synthetische Farbstoffe. Pflanzlich gefärbte Seide verblasst nicht gleichmäßig. Sie altert. Die Bestandteile eines Pflanzenfarbstoffs – die Tannine, die Flavonoide, die Beizmittel – verschieben sich im Laufe der Zeit gegeneinander und erzeugen so neue Farbbeziehungen. Was rot war, wird zu Rosa. Was Gold war, vertieft sich zu Bernstein. Die Seide trägt die Aufzeichnung ihrer eigenen Alterung in ihrer Farbe.

Das in der Nishijin-Weberei verwendete Indigo – ai-zome – ist eine Tradition von solcher Raffinesse, dass die Färbemeister, die auf höchstem Niveau arbeiten, Jahrzehnte lang trainieren, bevor ihnen formelle Aufträge anvertraut werden. Die Farbtiefe eines einzelnen Vintage-Obi kann dreißig oder vierzig Farbbäder darstellen, die jeweils über Tage aufgetragen wurden und jede die vorhergehende Schicht um ein kleines Inkrement vertieft. Das resultierende Blau ist keine auf eine Oberfläche aufgetragene Farbe. Es ist Farbe, die zur Oberfläche geworden ist.

Die Kissen aus Vintage-Obi-Seide in unserer Kollektion tragen diese angesammelten Farbschichten – jedes Stück ist einzigartig, da keine zwei Pflanzenfarbstoff-Chargen jemals identisch sind.

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