Die Kirschblütenzeit in Japan – Was sie mich über Vergänglichkeit und Seide lehrte
Teilen
Es gibt eine Woche in Japan – nur eine Woche, manchmal weniger – in der das ganze Land den Atem anhält.
Die Kirschblüten öffnen sich. Die Sakura. Nicht das tiefe Rosa westlicher Kirschbäume, nicht die domestizierte Blüte europäischer Gärten, sondern ein blasses, fast weißes Rosa, das zwischen Öffnen und Fallen zittert. Im richtigen Licht, am frühen Morgen bevor der Wind aufkommt, sind die Blüten so zart, dass das Betrachten sich wie ein Bruch anfühlt. Als ob die Aufmerksamkeit selbst sie lösen könnte.
Die Japaner haben ein Wort für den Moment, in dem die Blütenblätter alle auf einmal fallen: Hana-fubuki. Blumenschneesturm. Das Fallen ist die Schönheit. Die Vergänglichkeit ist nicht die Tragödie – sie ist der Sinn. Dies ist die zentrale Lehre von Mono no aware: das ergreifende Bewusstsein der Vergänglichkeit, die besondere Qualität der Aufmerksamkeit, die entsteht, wenn man versteht, dass alles Schöne vergänglich ist.
Ich denke oft daran, wenn ich mit Vintage-Seide arbeite. Ein Stück Nishijin-Obi von 1955 hat die meisten Dinge bereits überdauert. Es hat den Hersteller, den ersten Besitzer, wahrscheinlich den zweiten überlebt. Es befindet sich jetzt in Amsterdam und wird – sorgfältig, unter Berücksichtigung des Musters – zu einem Lendenkissenbezug geschnitten. Dies ist nicht sein Ende. Es ist seine Transformation.
Mottainai – die japanische Ethik, nichts Wertvolles zu verschwenden – trifft hier mit besonderer Kraft zu. Die Seide darf nicht verschwendet werden. Nicht weil sie teuer ist, sondern weil ihre Herstellung ein Lebenswerk erforderte.